Rheinisches Hausbuch nennt sich dieses Buch – und in seinem Untertitel ist von „Rhein und Ruhr“ die Rede. Viel zu lang hätte der Titel werden müssen, um dem Inhalt gerecht zu werden: dieser Band der erfolgreichen Regional-Hausbücher gilt nämlich dem Landesteil Nordrhein des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, also den heutigen Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf. Niederrhein, Eifel und Bergisches Land stehen dabei gleichberechtigt neben den großen Zentren am Rhein und den Industriestädten an Wupper und Ruhr. Mehr noch als die Geschichte dieses vielgestalten Landes wird in den unterhaltsamen und vielseitig informierenden Texten dieses Buches die Atmosphäre vergangener Epochen lebendig: in Sagen und Anekdoten, Schilderungen von Sitten und Bräuchen und entscheidenden Ereignissen und Entwicklungen, in Beschreibungen von Landschaften und großen Bauten aus der Feder berühmter Reisender, in Gedichten und Mundartgeschichten entsteht hier ein lebendiges und dichtes Bild des Nordteils der ehemaligen preußischen „Rheinprovinz“, seinerseits im Laufe der Zeiten zusammengewachsen aus alten Reichsstädten, geistlichen Fürstentümern und berühmten Herzogtümern wie Kleve, Jülich und Berg.
Bei den bisher erschienenen Bänden dieser Serie wurden in den vielen lobenden Besprechungen stets zwei Dinge hervorgehoben: die gleichmäßige Abdeckung des Gebietes und die an früher sehr erfolgreiche Modelle anknüpfende Art der Zusammenstellung, welche auch die vielfältig gebotene Information stets in unterhaltsamer und leicht faßlicher Form bringt und niemals „belehrend“ wird. Die reiche Fülle bekannter Schriftsteller, berühmter Dichter und liebenswerter Schilderer der Heimat hat uns diese selbstgestellte Aufgabe hier erleichtert, und wir zitieren unter den großen Namen hier nur die folgenden: E. M. Arndt, Nikolaus Becker, Heinrich Böll, Sulpiz Boisserée, M. J. Denoël, F. A. W. Diesterweg, Annette von Droste-Hülshoff, Leonhard Ennen, Max Eyth, Ferdinand Freiligrath, Hackländer, Hartenfels, Heinrich Heine, W. O. von Horn, Karl Immermann, J. G. Jacobi, Hermann Keußen, Gottfried Kinkel, Adolf Kolping, August Kopisch, K. A. Kortum, E. Lasker-Schüler, Heinrich Lersch, Müller von Königswinter, Jakob Nover, Robert Reinick, Alfred Reumont, W. H. Riehl, Friedrich Roeber, A. W. und Fr. von Schlegel, Karl Schorn, Karl Simrock, Ludwig Tieck, Georg Weerth, A. T. Wegner und Heinrich Zerkaulen. Neben vielen anschaulichen Illustrationen und Berichten aus der Arbeitswelt runden auch Lieder samt ihren Noten und typische Rezepte das bunte Bild dieses reichen Landes.
Aus dem Vorwort:
„Vergangene Zeit an Rhein und Ruhr“ will, wie der Titel verspricht, dieser Band schildern – aber man müßte eigentlich ergänzen: „an Rur und Niers, an Wupper und Sieg“, denn der hier vorliegende neue Regional-Band hat ja den ganzen Landesteil Nordrhein zum Thema. Dabei verbindet sich die Reise in die Vergangenheit mit einer Reise durch die vielgestaltige Landschaft: von der südlichen Landesgrenze den Rhein hinab nach Köln, über Zülpich in einer Schleife durch die Eifel nach Aachen, weiter über Jülich nach Neuss und nach dem Ausflug ins Bergische Land nach Düsseldorf; weiter rheinabwärts, von Duisburg ein ausgedehnter Abstecher ins Ruhrgebiet und schließlich über den Niederrhein wieder hinauf nach Krefeld.
Wie bei allen bisherigen Bänden – wo dies stets von der Kritik lobend hervorgehoben wurde – haben wir uns auch hier wieder sehr um ausgewogene Berücksichtigung aller Gebiete bemüht. Daß dies angesichts mancher nun einmal dominierender Schwerpunkte nicht so ganz leicht war, ist wohl einleuchtend; jene Leser, die vergeblich nach ihrem Wohnort im Ortsregister am Schluß des Bandes suchen (wobei manche jüngere Städte des öfteren auch durch eingemeindete ältere Ortsteile vertreten sind) seien darauf verwiesen, daß gelegentlich einmal auch eine Landschaftsschilderung oder der Bericht über bestimmte Industrien stellvertretend für dadurch geprägte Siedlungen stehen muß, denn hier sollte kein rheinisches Ortslexikon entstehen, sondern ein unterhaltendes und zugleich informierendes Lesebuch über Alltag und Kultur vergangener Epochen in diesem Raum. Daher finden sich neben Gedichten und Erzählungen vieler heimischer Autoren, Briefen und Erinnerungen und Porträts bedeutender Persönlichkeiten dieses Raumes und Schilderungen historischer Ereignisse, alter Städte und berühmter Bauten auch anschauliche Darstellungen von typischen Gewerben und Industriezweigen, vom Arbeitsleben im letzten Jahrhundert, von Sitten und Bräuchen sowie Sagen und Legenden, Rezepte und Lieder.
Alle diese Texte wurden der Schreibweise der Gegenwart angepaßt, in Ausnahmefällen wurde, um die persönliche Handschrift eines Verfassers zu erhalten oder auch die Sprache einer bestimmten Epoche, auf allzu strenge Duden-Genauigkeit verzichtet. Fremdwörter, Fachausdrücke und heute nicht mehr geläufige Wendungen haben wir in Fußnoten gleichermaßen erläutert wie Mundarttexte; einheimische Leser, denen letzteres vielleicht manchmal zu ausführlich erscheint, mögen bitte wie wir an die Nicht-Einheimischen denken, unter denen wir uns ja auch zahlreiche Freunde für diesen Band erhoffen.
Ein Wort noch zu den mundartlichen Beiträgen: hier müssen wir uns nicht nur vor Augen halten, daß gerade bei älteren Texten mit erheblichen Abweichungen gegenüber heutigem Sprachgebrauch gerechnet werden muß und daß nicht nur von Ort zu Ort, sondern bereits zwischen durch den Rhein getrennten Gebieten der gleichen Stadt diesbezüglich erhebliche Unterschiede bestehen, sondern daß selbst gleiche Laute vom einen Verfasser so, vom andern eben anders wiedergegeben werden.
Mancher Leser mag ein brav Seite für Seite die einzelnen Beiträge aufzählendes Inhaltsverzeichnis vermissen, doch haben wir wie bei allen Bänden dieser Reihe wegen der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Texte bewußt darauf verzichtet. Am Schluß des Bandes, nach dem historischen Überblick, finden sich jedoch in alphabetischer Reihenfolge Anmerkungen zu den Autoren des Bandes, und dort werden jeweils in der letzten Zeile die Seiten genannt, auf denen Beiträge aus ihrer Feder stehen; im Anschluß daran sind auch die Standorte für Rezepte, Lieder und Auszüge aus Sammelwerken aufgeführt, und auf den letzten Seiten befindet sich dann das Ortsregister.
