Zu einer Reise im doppelten Sinne lädt dieses umfangreiche Buch ein: zu einer Reise in die Vergangenheit, die zugleich durch das ganze alte Württemberg führt, vom Schwarzwald bis zur langen Grenze mit Bayern und vom Bodensee bis zum Taubergrund. Doch diese Vergangenheit im ehemaligen Königreich (und gelegentlich ein wenig auch noch im vorhergehenden Herzogtum) wird nicht trocken-statistisch dargestellt oder lehrhaft beschrieben, sondern sie wird ganz unmittelbar lebendig – weil der hier vorliegende Band eben ein unterhaltsames Lese- und Schaubuch sein will – in kurzen, teils mundartlichen Erzählungen, in Gedichten und Balladen, in Sagen und heiteren Episoden, in Berichten von dramatischen Ereignissen und wichtigen Entwicklungen, in anschaulichen Schilderungen bestimmter Städte und Landstriche und ihrer Bewohner, in Beiträgen über Land und Leute, Sitten und Bräuche, in Reisebeschreibungen und kurzen Auszügen aus Chroniken, Kalendern, Taschenbüchern, Sammelbänden usw., zu denen sich Lieder und Rezepte, Jugenderinnerungen und Schnurren und nicht zuletzt viele stimmungsvolle und informative Bilder gesellen.
Außerordentlich umfangreich ist die Namenliste jener vorwiegend württembergischen Autoren, die mit Werken in diesem Band vertreten sind: Zu den Klassikern Schiller, Hölderlin, Mörike, Schubart, Waiblinger, Hauff, Uhland, Justinus Kerner und Gustav Schwab (beide steuern neben Gedichten auch berichtende und beschreibende Prosatexte bei) und dem „modernen Klassiker“ Hermann Hesse treten mit teils mundartlichen Geschichten die volkstümlichen Erzähler Berthold Auerbach, Carl und Richard Weitbrecht, Hermann Kurz und Theobald Kerner, Johannes Neffen und, neben manch anderen noch, die Damen Isolde Kurz und Ottilie Wildermuth. Mit Erinnerungen, Schilderungen von Begegnungen, kleinen Prosastücken oder lebendigen Darstellungen von Volksleben und Bräuchen leisten hier u. a. Heinrich Bebel, David Friedrich Strauß, Gottlob Friedrich Wagner, Eduard Duller, Johann Philipp Glökler, Friedrich August Memminger und Willibald Alexis ihren Beitrag, und schier endlos ist die Liste heimatlicher Verfasser von Gedichten: Knapp, Mayer, Jäger, Notter, Pfizer, Kuen, Weitzmann, Grimminger, Hiller, Paulus, Doll, Fischer, Magenau, Seuffer, Reinhard, Conz, Grüneisen, Egler, Specht, Zimmermann, Ganzhorn usw. Den Band, in dem alle Teilgebiete Württembergs anteilig angemessen repräsentiert sind, beschließen historische Daten und Karten, Stichworte zu den Autoren, ein Quellenverzeichnis und ein ausführliches Ortsregister.
Aus dem Vorwort:
Ein volkstümliches Lese- und Schaubuch liegt hier vor, das mit seinen teils mundartlichen Erzählungen und Gedichten, Anekdoten und Liedern, Sagen und Märchen vor allem unterhalten will, daneben aber ohne jede Lehrhaftigkeit in seinen Schilderungen von Sitten und Bräuchen, seinen Berichten über wirtschaftliche Entwicklungen, historische Ereignisse und das Leben in Stadt und Land vertraut macht mit Kultur und Alltag im ehemaligen Königreich und vorherigen Herzogtum Württemberg und den hohenzollerischen Fürstentümern. Ohne einseitig zur literarischen Blütenlese zu werden, soll es doch die großen Dichter des Landes von Schiller, Uhland, Hölderlin und Schwab bis Hermann Hesse ebenso zu Wort kommen lassen wie die vielen „kleineren Meister“, die liebevoll die Heimat besangen oder Schriftsteller, die das Gebiet bereisten und schilderten.
Entscheidend für Auswahl und Zusammenstellung der Texte war das Bemühen, die vier ehemaligen Kreise des Königreiches (Neckar-, Jagst-, Donau- und Schwarzwaldkreis) und Hohenzollern gleichmäßig zu berücksichtigen in ihren Poeten und Erzählern, aber auch in der Schilderung ihrer Städte, Sehenswürdigkeiten, Bräuche und landschaftlichen Schönheiten. Bei den bisherigen Bänden dieser Serie regionaler Hausbücher wurde von der Kritik stets lobend hervorgehoben, daß gerade die angemessene Vertretung aller Landesteile besonders gelungen sei; dennoch ist es ganz natürlich, daß der eine oder andere Leser aus berechtigtem Stolz auf die engere Heimat dies oder jenes gerne noch aufgenommen gesehen hätte oder einem bestimmten Lied oder Gedicht den Vorzug gegeben hätte gegenüber dem von uns ausgewählten – trotz des erheblichen Umfangs sind vom vorhandenen Raum her nun einmal Grenzen gesetzt, und persönliche Wertungen sind auch nicht immer völlig auszuschließen.
Die Anordnung der einzelnen Beiträge erfolgte in Form einer Reise durch die genannten Kreise: von Stuttgart ausgehend durch den Neckarkreis und dann den Jagstkreis, den Donaukreis von Göppingen und Geislingen hinunter an den Bodensee und durch Hohenzollern wieder hinauf in den Schwarzwaldkreis mit Tübingen, Reutlingen, Urach und Nürtingen. Selbstverständlich ist, da die Bände dieser Reihe sich an den Landesgrenzen orientieren, das württembergische Frankenland mit einbezogen.
Das reiche Bildmaterial soll zum einen Erzählungen und Gedichte stimmungsvoll ergänzen, zum anderen Landschaften, Städte, Sehenswürdigkeiten in schönen alten Ansichten zeigen; hier sind gelegentlich wegen der alten Vorlagen Zugeständnisse hinsichtlich der Wiedergabequalität unvermeidbar. Die Texte wurden im allgemeinen behutsam heutiger Schreibweise angepaßt, doch haben wir gelegentlich dem Zeitkolorit oder der persönlichen Handschrift eines Verfassers den Vorrang vor pedantischer Dudentreue gegeben. Bei Mundarttexten muß bedacht werden, daß bestimmte Laute vom einen Autor so, vom anderen eben anders wiedergegeben werden, auch macht sich hier der zeitliche Abstand oft noch stärker bemerkbar als in der Schriftsprache. Bei weniger geläufigen Wendungen, nicht mehr gebräuchlichen Ausdrücken und Fremdwörtern haben wir uns stets um entsprechende Erläuterung bemüht.
Einen Abriß der Geschichte Württembergs und des Aufgehens der nicht weniger als 78 Einzelherrschaften, die 1792 auf seinem heutigen Territorium bestanden, im Königreich haben wir auf den Seiten 612 bis 620 zusammengestellt, ein Quellenverzeichnis auf den Seiten 620 bis 624, Stichworte zu den Autoren auf den Seiten 625 bis 635. In diese haben wir dadurch, daß am Schluß der Ausführungen über einen Autor jeweils die Seiten genannt sind, auf denen sich Beiträge von ihm finden, auch das Inhaltsverzeichnis eingearbeitet – denn eine Inhaltsübersicht, die brav Seite für Seite mit den darauf beginnenden Texten aufzählt, ist für einen solchen Band mit seinen sehr vielen Einzelbeiträgen einfach nicht sinnvoll. Am Schluß dieser Autorenstichworte sind dann auf Seite 635 auch Auszüge aus Sammelwerken aufgeführt und Texte, die sich nicht bestimmten Autoren zuordnen ließen: Rezepte, Lieder, Sagen u. ä. Ein Illustratorenverzeichnis auf Seite 624 und ein ausführliches Ortsregister ganz am Schluß (ab Seite 636) runden den Band ab.
