Dieses Hausbuch ist ein Heimatbuch in einem sehr umfassenden Sinn. Es gleicht nicht vielen anderen, die nur eine bestimmte Epoche, einen Zeitabschnitt der Vergangenheit zum Thema haben, es greift vielmehr weiter aus, indem Autoren vom 14. Jahrhundert bis heute zu Wort kommen.
So lädt dieser Band seine Leser denn zu einer Reise ein – einer Reise im zweifachen Sinne: Zum einen ist es ein Weg durch die Zeiten, wichtige und nicht so wichtige Ereignisse werfen ein Licht auf Leben und Atmosphäre der verschiedenen Epochen. Zum anderen wird der Leser gleichsam auf eine Reise durch Ostpreußen, kreuz und quer über die Landkarte, gelockt. Auf diesem Weg durchwandert oder -fährt er das Land in den Grenzen, wie sie während des Kaiserreiches bestanden. Der Weg beginnt in Königsberg, führt über die samländische Küste ins Memelland und dann südlich über Tilsit und Stallupönen nach Insterburg und zu den masurischen Seen bis Johannisburg und Ortelsburg; der Leser lernt Heilsberg kennen und Tapiau, Tharau und Frauenburg am Frischen Haff, Mühlhausen, Wormditt und Mohrungen, Preußisch-Holland, Osterode, Tannenberg und Gilgenburg. Der Weg führt durch das Kulmerland in die Provinz Posen, durch die Orte Hohensalza und Bromberg, Samotschin und Strelno, Gnesen, Lissa, Birnbaum und viele andere mehr.
Auch derjenige Leser, der nicht die gesamte Reise nachvollziehen, sondern sich zunächst „seinen“ Ort herauspicken möchte, kann dieses tun: am Ende des Bandes findet sich ein Register mit mehr als 400 geographischen Stichwörtern. Außerdem werden fast einhundert der Autoren mit einem kurzen Lebenslauf, unter Aufführung ihrer wichtigsten Werke, vorgestellt. Es sind dies Ostpreußen oder solche, die von dem Land, seinen Städten und Menschen, fasziniert waren. Da erinnert sich Ernst Moritz Arndt an den „Landtag zu Königsberg im Jahre 1813“, von E. T. A. Hoffmann erhalten wir eine Schilderung der berühmten Wallenrodtschen Bibliothek in Königsberg, die ihm als Vorlage für eine Szene in seiner Erzählung „Der goldene Topf“ diente. Der große Königsberger Immanuel Kant beschäftigt sich mit der Frage: „Was ist Aufklärung?“. Das Schicksal der „Frauen von Nidden“ wird uns in einem Gedicht von Agnes Miegel vor Augen geführt, von Lovis Corinth, dem berühmten Maler, werden wir in einer Erzählung mitgenommen auf das „Schützenfest vor Tapiau“. Der Bogen spannt sich bis zu bekannten ostpreußischen Gedichten und Liedern – z. B. „Christinchen“ und „Anke von Tharau“.
Die 120 oft sehr alten Illustrationen machen so manche Stadtbeschreibung, so manche Schilderung eines Bauwerkes oder auch einer Begebenheit noch lebendiger und anschaulicher.
